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Die enorme Vielfalt der Zeichnungen von Susanne Kessler lässt sich weitgehend durch zwei unterschiedliche Blickrichtungen beschreiben. Ihre Zeichnungen entwickeln sich als Bewegung über die Fläche hinaus. Dies ist charakteristisch für ihre gesamte Arbeit und kann hier nur in groben Zügen skizziert werden. Die Collage wird verwendet, um Partien aus früheren Zeichnungen mit neuen grafischen oder anderen Elementen zu kombinieren und durch die Überarbeitung etwas radikal Neues zu schaffen. Aus einer solchen Verschmelzung grafisch entwickelter Formen ergibt sich oft auch deren Schichtung. Die bedeutendsten Arbeiten in dieser Technik sind die „Gezeichneten Stücke“ (1992). Die Künstlerin hat hier über die unregelmäßigen Oberflächen ihrer grafischen Gestaltungen eine feine Gaze gespannt, um eine Spannung zwischen der durchscheinenden grafischen Form und der darüber gelegten Bildfläche zu erzeugen.

Das Prinzip der Collage wird durch das Ausschneiden von Grafikelementen weiterentwickelt. Ein aktueller Höhepunkt sind die linearen Asphaltzeichnungen, die als Einzelwerke in einem seriellen Kontext stehen. Weitere Höhepunkte finden sich auch in der Reihe „Tierisches“ (2001/02). Zeichnungen dieser Gruppe werden als Teile in größere Arbeiten eingeflochten wie den „Soft Grids“ (University Stanislaus, 2002) oder in den „Raum der Evolution“ (Teheran 2003), wo sie die Installationen verlebendigen. Die Fluktuationen zwischen Wahrnehmung eines flachen, begrenzten Zeichnungsraumes und einer größeren räumlichen Ausdehnung führen in den neusten Installationen zu einer Synthese von gefundener organischer und künstlerischer Struktur. Beispiele hierfür finden sich in den „Treedrawings“ (Stanislaus 2002), wo teergetränkte Seile zwischen Bäumen gespannt werden, oder in „Capriccio“; dort sind Baumäste durch Drähte zu skulpturalen Strukturen geformt.

Ein anderer Weg sich den Zeichnungen von Susanne Kessler zu nähern ist, das Medium Papier hinter sich zu lassen. Der Prozess des Zeichnens dient der Künstlerin zur Klärung bestimmter meist organischer Formen sowie zu deren Auflösung in abstrakte Strukturen. Die Entwicklung individueller künstlerischer Formen basiert auf einem reichhaltigen Vokabular biologischer Formen, wie den Innenohrkanälen des menschlichen Ohrs, Skelettkonstruktionen und Stilisierung der unterschiedlichsten Bestandteile des Lebens („Tierisches“). Die umrandeten, zum Teil ausgeschnittenen, überwiegend schwarzen Zeichnungen betonen bestimmte äußere Formen bzw. isolieren sie bildlich und verleihen vielen Blättern eine besondere symbolische Kraft.

Erkennbare, aus der Natur entliehene Formen erhalten das gleiche Gewicht wie gezeichnete Elemente, deren Ursprung als existierende Objekte nur vermutet werden kann. „Das künstlerische Prinzip, Gegensätzliches gleichwertig zu behandeln, aber auch miteinander verbinden zu wollen, zeugt von einer sensiblen Wahrnehmung, dem Wunsch sie gemeinsam auszuloten und damit dem Bedürfnis nach harmonischen Verhältnissen nachzukommen.“ (Ute Haug). Ein Zusammenfügen der oft scheinbar unvereinbaren Elemente wird in vielen Zeichnungen durch Linien erreicht. Susanne Kessler hat parallel zu derartigen Zeichnungen „Flechtwerke“ angefertigt, in denen organische Formen mit abstrakten bildlichen Elementen verwoben werden. Beispiele dafür finden sich in den früheren Werken, in denen flächige Strukturen in einem vernetzten Linienwerk miteinander verbunden sind, so etwa in dem Buch aus ihrer „Lebensbibliothek“ „Persian Diary“ (2003), in dem sie mit Fotokopien und Folien arbeitet.

In diesen Werken werden Darstellungen natürlicher, wissenschaftlich fundierter Objekte zusammen mit abstrakten Bildstrukturen – auch orientalischer Ornamentik und kalligraphischen Elementen – zu einer symbiotischen Gesamtheit von Mikrokosmos und Makrokosmos, von Natur und Kultur verschmolzen.

 

 Text zur Präsentation der Zeichnungen im Drawing Center New York