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Dies kann nicht ein übliches Katalog-Vorwort sein. Diese Ausstellung ist die letzte Ausstellung, die der Kollege Wolfgang Venzmer in seiner Dienstzeit im Landesmuseum Mainz unternimmt. Im Februar/ März beendet er seine offizielle Tätigkeit bei uns. Den Termin hat er sich selbst gesetzt. Und das bedeutet einen Einschnitt in der nicht sehr langen Geschichte des Museums als Landesmuseum.
Wolfgang Venzmer ist 1965 zum damals noch städtischen Mainzer Museum unter Direktor Dr. Karl Heinz Esser mit dem Auftrag gekommen, vor allem im Bereich des 20. Jahrhunderts zu arbeiten und in diesem Umfeld die Sammlung auszubauen, wozu die Möglichkeiten aufgrund der verfügbaren Mittel freilich nicht günstig waren. Die jahrzehnte­lange beratende Tätigkeit Wolfgang Venzmers für die Stadt Mainz rührt aus dieser Zeit. Die Einengung des Leiters der Abteilung 19. und 20. Jahrhundert im Landesmuseum hielt lange an, allzu lange. Es kann mit Fug und Recht gesagt werden, dass Wolf­gang Venzmer, der weithin bekannte Hölzel-Forscher, erst sehr spät zur vollen Entfaltung seiner Fähigkeiten kommen konnte. Die Sammlung des 20. Jahrhunderts wurde in den letzten Jahren in schöner Zusammenarbeit ausgebaut, die Jugend­stil-Sammlung als ganz neuer Bereich eingebracht, die Landesgalerie, eine Art ständige Landeskunst­ausstellung mit wechselndem Aspekt, konnte in den Räumen des früher hier untergebrachten Konser­vatoriums eingerichtet werden. Vor allem die Aus­stellungen zeitgenössischer Kunst im Pavillon, im Studio und im Forum wurden zum eigenen, eigent­lichen Terrain von Wolfgang Venzmer. Und es war zu spüren, wie gerne und intensiv er alles tat, was mit Ausstellungen zusammenhängt: das Aufspüren, das Aussuchen von Künstlern, das Kontaktieren mit den Künstlern, das Konzipieren von Ausstellungen, das Vorbereiten und die Bearbeitung der Kataloge, das Verfassen der Texte, das Anordnen der Ausstel­lungen, das Hängen der Bilder, das Aufstellen der Plastiken und Objekte, das Eröffnen der Ausstel­lungen.
Es war allenthalben sichtbar, mit welcher Ein­fühlung und Fachkenntnis er an der Arbeit war: ein echter Ausstellungsmann. Selbst wenn es ihm manchmal körperlich schwer fiel, hat er diese Auf­gabe mit Hingabe getan, mit stiller Leidenschaft, wie sie einem gebürtigen Mecklenburger wohl anstehen mag. Die Tätigkeit des Vaters in Schwerin, eines Museumsmannes und Künstlers, wirkte in Wolfgang Venzmer fort.
Eigentlich bezweifle ich, dass Wolfgang Venzmer diese Tätigkeit einfach ganz aufgeben kann. Ich möchte behaupten, dass er in irgendeiner Form wei­termachen wird. Und schon jetzt sind die zu benei­den, denen er sich andernorts zuwenden wird. Es ist hier nicht der Ort für eine größere Laudatio über Wolfgang Venzmer, aber es dürfte berechtigt sein, wenn man im letzten Katalog über einen Künstler, den Wolfgang Venzmer in seiner Amtszeit vorlegt, einen Dank ausspricht: Wolfgang Venzmer hat mit seinen Ausstellungen und seinen Katalogen viel für das Landesmuseum und, was wichtiger ist, viel für die Künstler getan.
Zu danken habe ich Wolfgang Venzmer für die Ausstellung und den Katalog einer zeitgenössi­schen Künstlerin. Dass er sich gerade für die Male­rin Susanne Kessler engagiert, ist keineswegs zufäl­lig. Die Sensibilität und das Wagnis dieser noch rela­tiv unbekannten Künstlerin haben ihn überzeugt: ihre »bewegliche Formenwelt«, das Malerische an sich. Die lange Beschäftigung mit Adolf Hölzel hat Wolfgang Venzmer ein untrügliches Qualitätsgefühl für abstrakte Kunst vermittelt. Die Ausstellung zeigt Susanne Kessler, sie zeigt auch Wolfgang Venzmer.

 

Einführungstext von Dr. Berthold Roland, Direktor des Landesmuseums Mainz, zur Ausstellung „Susanne Kessler_ Malbücher, Bilder, Zeichnungen und Raumobjekte“, Landesmuseum Mainz, 1989