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Installation: Jerusalem Thorn
Dimensions: 12 ft.66 in. x 8 ft.38 in. x 9 ft. 02 in.
Materials: wire, tape, fabric, plastic bags, plastic net
Exhibition: Berge versetzen
Venue: Galerie Ursula Walter, Dresden, 2016

 

Zu Susanne Kesslers Jerusalem Projekt

Eine Stadt wie Jerusalem verbirgt mehr als sie bereit ist, auf den ersten Blick herzuzeigen. Die oberste Schicht des Lebens ist sichtbar, lässt ahnen, wie unterirdisches aussehen könnte. Lebten in der Stadt noch im 19. Jahrhundert Christen, Juden und Muslime friedlich miteinander, zeichnet unsere Zeit ein ganz anderes Bild. Die Künstlerin wählt sicher nicht ohne Hintergedanken einen Stadtplan Jerusalems aus dem 19. Jahrhundert, um das Gesicht der Stadt nachzuweben.

Doch der Plan wächst in die Luft, gleichsam wie ein Stück Vegetation, mit der sich solch ein Stadtgebilde beschreiben ließe, wachsend, ein Mehr an Struktur bildend, mit Adern, die der Versorgung dienen. Teile sterben, andere entwickeln sich weiter.

Die Farben sind nicht zufällig gewählt, sollen sie doch an den Jerusalemsdorn erinnern. Die Farbe als erste Assoziation, aber auch die Dornen sind ein weiterer Verweis. Verletzungspotential im übertragenen Sinne. ABER: die Pflanze ist auch als Heilmittel gegen Fieber bekannt –eine Wirkung, die den unterschiedlichen Gruppen, die im Zwist liegen sicherlich zugute käme….

Vom Jeruslemsdorn ist es dann gedanklich auch nicht mehr weit zum brennenden Dornbusch, dessen Existenz historischer Exegese folgend gar nicht unwahrscheinlich ist: handelt es ich doch um einen Busch, dessen ätherische Öle unter Sonneneinwirkung spontan zur Selbstentzündung führen können.

So viele Bilder, die das Projekt nachzeichnet: Archäologie, historische Stadtentwicklung; lokale Vegetation und ihre Abstraktion in Bezug auf bauliche Momente, religiöse Anklänge, gesellschaftliche Fragestellungen. Und wiederum ein Berg –der Sinai, mit dem diese Art der Vegetation ebenfalls in Verbindung gebracht werden kann.

Auszug aus der Rede zur Ausstellung „Berge versetzen“ in der Galerie Walter, Dresden 2016, von Moritz Stange